Patellaluxation

Wenn die Führung fehlt

Erkrankungen des Bewegungsapparates beim Junghund, Teil 2

Anatomisch draufgeschaut:

Das Kniegelenk eines Hundes ist ähnlich dem des Menschen aufgebaut. Es wird aus vier Knochen gebildet: Der Oberschenkelknochen bildet gemeinsam mit den beiden Knochen des Unterschenkels, nämlich Schien- und Wadenbein, das Gelenk. Der vierte Knochen ist die Kniescheibe (Patella) und eigentlich gar kein richtiger Knochen, sondern vielmehr eine Verstärkung der Sehne, ein sogenanntes Sesambein, die den Kniestreckermuskel mit dem Schienbein verbindet. Doch damit das Kniegelenk stabil ist und zuverlässig funktioniert, sind noch insgesamt 13 Bänder beteiligt. Die wichtigsten sind das gerade Kniescheibenband, das von der Patella zum Schienbein verläuft, die beiden Seitenbänder und die beiden Kreuzbänder, die ihrerseits den Oberschenkelknochen und das Schienbein in einem Kreuz miteinander verbinden und so eine gegenseitige Verschiebung nach hinten oder vorne verschieben.

Aufgabe der Kniescheibe ist der Schutz der Patellasehne vor hoher Druckbelastung. Zudem sorgt sie dafür, dass die Sehne in ihrer korrekten Position bleibt. Zu diesem Zweck gleitet die Kniescheibe bei jeder Bewegung des Kniegelenkes zwischen zwei Knochenhöckern am distalen, also unteren Ende des Oberschenkelknochens. Verlässt die Kniescheibe bei der Bewegung ihre Position aus der Führung zwischen den beiden Höckern, wird das als Patellaluxation bezeichnet.

Ursachen für eine Patellaluxation

Es gibt unterschiedliche Ursachen für eine Patellaluxation. Neben einer traumatischen Entstehung, ein Unfall kann dazu führen, dass die Kniescheibe herausspringt, besteht auch die Möglichkeit, dass Bindegewebsschwächen oder fehlende Muskulatur und auch Übergewicht zu einer Patellaluxation führen. Grundsätzlich kann eine Patellaluxation bei jedem Hund auftreten. In den meisten Fällen sind allerdings kleine Rassen vom Herausspringen der Kniescheiben betroffen. Ein besonders hohes Risiko ist beispielsweise bei Maltesern, Yorkshire Terriern, Pinschern, Bulldoggen, Bolonka, Pudeln, Shih Tzus, Chihuahuas, Boston Terriern und zahlreichen weiteren kleine Rassen. bekannt. In diesen Fällen wird von einer kongenitalen Patellaluxation gesprochen, die aufgrund angeborener Ursachen entsteht. Während bei kleineren Hunden sich die Kniescheibe meistens nach innen, also nach medial verlagert, luxiert sie bei mittleren und größeren Tieren eher nach lateral, also nach außen.

Diagnose und Therapie bei Patellaluxation:

Eine Patellaluxation ist sehr schmerzhaft und führt zwangsläufig dazu, dass die Beweglichkeit des betroffenen Kniegelenkes beeinträchtigt ist. Welche Maßnahmen zur Behandlung der Patellaluxation Ihres Hundes erforderlich sind, hängt hauptsächlich von ihrem Schweregrad ab und sollte im Rahmen eines Besuches beim Tierarzt des Vertrauens abgestimmt werden.

  • Grad 1:
    Die Kniescheibe des Vierbeiners springt heraus und rutscht danach direkt wieder in ihre richtige Position zurück.

  • Grad 2:
    Die Kniescheibe springt nach der Luxation nicht von alleine zurück, sondern muss manuell wieder eingerenkt werden.

  • Grad 3:
    Die Kniescheibe verbleibt nach dem Einrenken nicht in ihrer Position und springt zeitnah wieder heraus.

  • Grad 4:
    Eine manuelle Korrektur ist nicht möglich, sodass die Kniescheibe des Hundes dauerhaft ausgerenkt bleibt.

In leichten Fällen einer Patellaluxation kann ein konservativer Therapieversuch erfolgreich sein. Ist die Luxation nur einmalig und durch ein Trauma bedingt, kann es ausreichen, die Kniescheibe manuell in ihre richtige Position zurückzubewegen und das Bein eine Weile ruhig zu stellen. So kann das Gelenk ausheilen und wieder stabilisieren.

Sind leichte anatomische Abweichungen, wie zu gering ausgebildete Knochenhöcker, die Ursache und kommt es zu wiederholten Patellaluxationen, kann durch gute physiotherapeutische Behandlung die Muskulatur so weit gestärkt werden, dass die Lage der Patella stabilisiert wird.
Wichtig ist es bei diesem Weg allerdings, konsequent dabei zu bleiben, die Muskulatur durch Übungen zu unterstützen und auch Blockaden regelmäßig zu lösen, um eine Verlagerung oder Ausweitung der Bewegungsproblematik auf andere Körperbereiche zu verhindern. Zudem gibt es phyto- und mykotherapeutische Nahrungsmittelergänzungen, die Muskulatur sowie den Sehnen- und Bandapparates des Hundes unterstützen.

Zeigt eine konventionelle Therapie jedoch keinen Erfolg oder sind die anatomischen Abweichungen zu stark sind, was definitiv ab dem Schwergrad 3 in der Regel der Fall ist, sollte niemand vor einem chirurgischen Eingriff zurückschrecken. Wird zu lange mit einer OP gewartet, leidet der Hund kontinuierlich unter Schmerzen. Durch die andauernde Fehlbelastung entstehen Kniegelenksarthrosen und die Fehlbelastungen und Schonhaltungen führen zu Verspannungen in der Muskulatur und Überlastung der anderen Gelenke.


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