Übergewicht beim Hund ist mehr als ein Schönheitsproblem. Zu viele Kilos belasten den Bewegungsapparat, können Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen und das Risiko für verschiedene Erkrankungen erhöhen. Besonders für Hunde mit Arthrose oder anderen Erkrankungen des Bewegungsapparates kann jedes zusätzliche Kilo zur Belastung werden.
Doch wann ist ein Hund eigentlich zu dick? Welche Krankheiten können durch Übergewicht begünstigt werden? Und warum ist ein gesundes Körpergewicht so wichtig für ein langes, bewegliches Hundeleben?
Übergewicht beim Hund – ein unterschätztes Gesundheitsproblem
Viele Hundehalter nehmen eine leichte Gewichtszunahme zunächst gar nicht als Problem wahr. „Er ist eben etwas kräftiger geworden“ oder „Ein bisschen Winterspeck schadet doch nicht“ sind typische Einschätzungen.
Doch aus wenigen zusätzlichen Kilos kann mit der Zeit deutliches Übergewicht entstehen.
Dabei ist nicht nur das zusätzliche Gewicht selbst problematisch. Fettgewebe ist biologisch aktiv und kann entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen. Übergewicht kann deshalb Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben.
Besonders betroffen sind:
- Gelenke und Wirbelsäule
- Muskulatur und Beweglichkeit
- Stoffwechsel
- Herz-Kreislauf-System
- Atmung
- Haut
- Belastbarkeit und Lebensqualität
Übergewicht belastet die Gelenke
Der Bewegungsapparat muss das Körpergewicht bei jedem Schritt tragen. Je höher das Gewicht, desto größer die mechanische Belastung.
Das gilt nicht nur beim normalen Gehen. Beim Rennen, Springen, Treppensteigen, Aufstehen oder Abbremsen entstehen noch deutlich höhere Kräfte.
Übergewicht beim Hund kann deshalb bestehende Gelenkprobleme verschlimmern und die Entwicklung von Arthrose begünstigen.
Besonders problematisch ist das bei Hunden mit einer der folgenden Problematiken:
- Hüftgelenksdysplasie (HD)
- Ellenbogendysplasie (ED)
- Arthrose
- Kreuzbandproblemen
- Patellaluxation
- Wirbelsäulenerkrankungen
- anderen orthopädischen Erkrankungen
Bei einem bereits erkrankten Bewegungsapparat ist ein möglichst optimales Körpergewicht deshalb ein wichtiger Bestandteil der Therapie.
Übergewicht beim Hund und Arthrose – ein ungünstiger Kreislauf
Zwischen Übergewicht und Bewegungsmangel kann sich ein regelrechter Teufelskreis entwickeln:
Übergewicht
↓
höhere Belastung der Gelenke
↓
Bewegung wird anstrengender oder schmerzhaft
↓
der Hund bewegt sich weniger
↓
Muskulatur wird abgebaut
↓
Gelenke werden schlechter stabilisiert
↓
Bewegung fällt noch schwerer
↓
weiterer Muskelabbau und möglicherweise weitere Gewichtszunahme
Gerade bei älteren Hunden kann dieser Kreislauf schnell zu einem deutlichen Verlust an Beweglichkeit führen. Deshalb ist es wichtig, nicht erst zu reagieren, wenn der Hund bereits starke Bewegungseinschränkungen zeigt.
Warum Übergewicht auch Entzündungsprozesse fördert
Fettgewebe ist kein reiner Energiespeicher. Es produziert verschiedene Botenstoffe, sogenannte Adipokine. Bei Übergewicht kann sich das Gleichgewicht dieser Botenstoffe verändern. Dadurch können entzündungsfördernde Prozesse im Körper zunehmen.
Diese chronische, niedriggradige Entzündungsaktivität kann unter anderem bei der Entstehung und Verschlechterung verschiedener Stoffwechsel- und Gelenkprobleme eine Rolle spielen.
Das ist ein wichtiger Grund dafür, warum Übergewicht beim Hund nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der zusätzlichen mechanischen Belastung betrachtet werden sollte.
Welche Krankheiten kann Übergewicht beim Hund begünstigen?
Übergewicht kann mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen in Verbindung stehen oder bestehende Erkrankungen verschlimmern.
1. Arthrose und andere Gelenkerkrankungen
Das zusätzliche Gewicht erhöht die Belastung der Gelenke. Gleichzeitig kann die mit Übergewicht verbundene Entzündungsaktivität die Gelenkgesundheit zusätzlich beeinflussen.
Bei Hunden mit Arthrose ist ein gesundes Körpergewicht deshalb besonders wichtig.
2. Diabetes mellitus
Übergewicht kann die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen beeinträchtigen. Der Körper reagiert dann weniger effektiv auf Insulin.
Dadurch kann sich das Risiko für einen Diabetes mellitus erhöhen.
3. Herz-Kreislauf-Belastungen
Ein größerer Körper muss mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Das kann die körperliche Belastung für Herz und Kreislauf erhöhen.
Übergewicht kann außerdem mit einer verminderten körperlichen Leistungsfähigkeit und Veränderungen des Blutdrucks einhergehen.
4. Atemprobleme
Besonders bei kurznasigen Hunden kann Übergewicht bestehende Atemprobleme verschärfen. Zusätzlich kann überschüssiges Fett im Brust- und Bauchbereich die Atemmechanik beeinträchtigen. Übergewichtige Hunde können deshalb schneller hecheln und bei körperlicher Belastung oder hohen Temperaturen schneller an ihre Grenzen kommen.
5. Muskelabbau und Bewegungsmangel
Ein übergewichtiger Hund bewegt sich häufig weniger. Das kann dazu führen, dass Muskelmasse verloren geht. Besonders im Alter ist das problematisch, weil eine kräftige Muskulatur wesentlich zur Stabilisierung von Gelenken und Wirbelsäule beiträgt.
Weniger Bewegung bedeutet also nicht automatisch weniger Probleme – im Gegenteil: Bewegungsmangel kann die körperliche Situation weiter verschlechtern.
6. Höheres Risiko bei Operationen und Narkosen
Übergewicht kann die Durchführung einer Narkose und die postoperative Genesung erschweren. Auch die Rehabilitation nach einer orthopädischen Operation kann schwieriger sein, wenn zusätzliches Körpergewicht auf die betroffenen Strukturen wirkt.
Ein angepasstes Körpergewicht ist daher auch vor und nach Operationen von großer Bedeutung.
7. Hautprobleme
Bei stark übergewichtigen Hunden können Hautfalten entstehen, in denen sich Wärme und Feuchtigkeit sammeln. Dadurch können Hautreizungen und sekundäre Infektionen begünstigt werden.
Übergewicht reduziert Lebensqualität
Nicht nur Erkrankungen sind ein Problem. Ein übergewichtiger Hund kann im Alltag viele Dinge nicht mehr so leicht bewältigen wie ein Hund mit optimalem Körpergewicht. Längere Spaziergänge werden anstrengend. Rennen und Spielen fallen schwerer. Treppensteigen kann zur Herausforderung werden und nach körperlicher Aktivität benötigt der Hund möglicherweise längere Erholungszeiten. So kann sich die Lebenswelt des Hundes Schritt für Schritt verkleinern.
Übergewicht reduziert Lebensqualität
Wann ist ein Hund zu dick?
Das Körpergewicht allein reicht nicht aus, um festzustellen, ob ein Hund übergewichtig ist.
Ein großer, muskulöser Hund kann beispielsweise deutlich mehr wiegen als ein kleinerer Hund mit derselben Körpergröße, aber deutlich weniger Muskelmasse.
Deshalb sollte neben dem Gewicht auch die Körperkondition beziehungsweise der Body Condition Score (BCS) beurteilt werden.
Bei einem Hund mit idealer Körperkondition sollten:
- die Rippen gut tastbar sein,
- von oben betrachtet eine Taille erkennbar sein,
- sich die Bauchlinie von der Seite betrachtet nach hinten aufziehen,
- keine ausgeprägten Fettpolster vorhanden sein.
Dabei sollte immer auch die individuelle Körperform und Muskulatur berücksichtigt werden.
Nicht jedes Gramm weniger ist automatisch gesund
Beim Abnehmen sollte es nicht darum gehen, den Hund möglichst schnell möglichst leicht zu bekommen.
Entscheidend ist eine langsame und kontrollierte Gewichtsreduktion, bei der der Hund weiterhin ausreichend mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt wird. Ebenso wichtig ist die Bewegung.Dabei gilt: Ein übergewichtiger Hund sollte nicht einfach „mehr laufen“.
Vor allem bei älteren Hunden oder Hunden mit Arthrose, Gelenkerkrankungen oder Schmerzen muss das Training individuell angepasst werden.
Hundefitness kann beim Gewichtsmanagement unterstützen
Gezieltes Hundefitnesstraining kann eine sinnvolle Ergänzung zu einem individuellen Gewichtsmanagement sein.
Dabei geht es nicht darum, den Hund möglichst stark zu belasten. Vielmehr sollen Beweglichkeit, Koordination und Muskulatur gezielt gefördert werden.
Eine kräftige Muskulatur kann den Bewegungsapparat unterstützen und dazu beitragen, dass der Hund seine Bewegungsfähigkeit möglichst lange erhält.
Besonders bei übergewichtigen Hunden sollte das Training langsam aufgebaut und an Alter, Trainingszustand, Körpergewicht und eventuelle Erkrankungen angepasst werden.
Übergewicht beim Hund frühzeitig erkennen und handeln
Je früher Übergewicht erkannt wird, desto leichter lässt sich gegensteuern. Deshalb lohnt es sich, das Körpergewicht und die Körperkondition regelmäßig zu kontrollieren – auch bei Hunden, die auf den ersten Blick gar nicht deutlich zu dick wirken.
Besonders wichtig ist eine Gewichtskontrolle bei:
- älteren Hunden,
- kastrierten Hunden,
- Hunden mit wenig Bewegung,
- Hunden mit Arthrose oder anderen Gelenkerkrankungen,
- Hunden nach Operationen,
- Hunden mit Stoffwechselerkrankungen.
Fazit: Jedes Kilo zählt!