Warum schleift mein Hund mit den Pfoten? Ursachen für Überköten, neurologische Hintergründe und wie Osteopathie & Bewegungstherapie das Gangbild verbessern können.
Pfoten schleifen oder Überköten beim Hund – Ursachen, Hintergründe und Therapieansätze
Viele Hundehalter bemerken es zunächst an abgewetzten Krallen, schief getragenen Pfoten oder kleinen Schürfstellen an den Zehen: Der Hund schleift mit den Pfoten über den Boden oder setzt sie nicht mehr korrekt auf – ein Phänomen, das häufig als Pfoten schleifen oder Überköten beschrieben wird.
Was auf den ersten Blick harmlos wirken kann, ist in Wirklichkeit ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Das Gangbild eines Hundes ist ein sensibler Spiegel seiner körperlichen Gesundheit.


Abdrücke im Schnee:
Auf dem linken Foto stellen sich die Pfotenabdrücke klar und abgegrenzt dar. Rechts hingegen zeigt sich deutlich, dass die Pfoten nicht ausreichend angehoben werden, sondern durch die dünne Schneedecke gezogen werden.
Was bedeutet Pfoten schleifen oder Überköten?
Beim Pfoten schleifen werden die Pfoten – meist die Hintergliedmaßen, manchmal auch die Vordergliedmaßen – nicht mehr aktiv angehoben. Beim Überköten kippt die Pfote vermehrt nach vorne, sodass der Hund über die Zehen oder den Pfotenrücken abrollt.
Beides deutet darauf hin, dass die aktive Steuerung, Stabilität oder Wahrnehmung der Gliedmaßen eingeschränkt ist.
Mögliche Ursachen
Neurologische Ursachen
Eine der häufigsten Ursachen ist eine gestörte Propriozeption, also die Fähigkeit des Hundes, die Stellung seiner Gliedmaßen im Raum wahrzunehmen. Gründe hierfür können sein:
- Bandscheibenprobleme (Hals-, Brust- oder Lendenwirbelsäule)
- Nervenkompressionen
- altersbedingte oder degenerative Veränderungen des Nervensystems
- entzündliche oder traumatische Einwirkungen
Der Hund „weiß“ in diesen Fällen nicht mehr genau, wo sich seine Pfote befindet, und setzt sie verzögert oder unkoordiniert auf.
Muskel- und Faszienprobleme
Auch muskuläre Dysbalancen oder fasziale Spannungen können dazu führen, dass eine Pfote nicht mehr korrekt geführt wird:
- unzureichend aktive Beuge- und Streckmuskulatur
- verspannte oder verklebte Faszienketten
- fehlende Rumpf- und Gelenkstabilität
Besonders betroffen sind häufig die stabilisierenden Muskeln von Rumpf, Hüfte und Schultergürtel.
Gelenk- und Statikprobleme
Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen in den Gelenken führen oft zu Schonhaltungen, die das Gangbild verändern:
- Arthrosen (z. B. Hüfte, Knie, Schulter, Sprunggelenk)
- eingeschränkte Gelenkbeweglichkeit
- Fehlstellungen oder alte Verletzungen
Der Hund vermeidet bestimmte Bewegungen – die Pfote wird nicht mehr aktiv angehoben, sondern „nachgezogen“.
Entwicklungs- und Trainingsfaktoren
Auch äußere Einflüsse spielen eine Rolle:
- schnelles Wachstum im Junghundealter
- wenig koordinative Bewegung in der Entwicklung
- monotone Belastung ohne Untergrundwechsel
Fehlt dem Hund frühzeitig die Schulung von Koordination und Körpergefühl, können sich langfristig Defizite im Gangbild zeigen.
Warum sollte Pfoten schleifen ernst genommen werden?
Bleibt die Ursache unbehandelt, kann es zu Folgeproblemen kommen:
- zunehmende Fehlbelastungen
- verstärkte Arthroseentwicklung
- Muskelabbau
- Unsicherheit beim Laufen, Stolpern oder Stürze
- eingeschränkte Lebensqualität
Je früher Veränderungen im Gangbild erkannt und behandelt werden, desto besser sind die therapeutischen Möglichkeiten.
Therapieansätze zur Verbesserung des Gangbildes
Osteopathische Behandlung
Die osteopathische Therapie zielt darauf ab, die körperlichen Voraussetzungen für eine gesunde Bewegung wiederherzustellen:
- Lösung von Blockaden und Spannungen
- Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit
- Entlastung von Nervenstrukturen
- Regulation des faszialen Systems
Der Körper erhält so die Möglichkeit, Bewegungen wieder koordinierter und schmerzfreier auszuführen.
Bewegungstherapie und aktives Training
Ein zentraler Bestandteil der Behandlung ist die gezielte Bewegungstherapie. Sie fördert:
- Propriozeption und Körperwahrnehmung
- gezielten Muskelaufbau
- Koordination und Gleichgewicht
- bewusste und aktive Pfotenführung
Die Übungen werden individuell an den Hund angepasst und sollen alltagstauglich sowie nachhaltig wirksam sein.
Ergänzende Maßnahmen
Je nach Befund können weitere Maßnahmen sinnvoll sein:
- Anpassung des Bewegungsmanagements
- bewusster Einsatz unterschiedlicher Untergründe
- temporärer Pfotenschutz bei starkem Schleifen
- interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Tierärzten oder Neurologen
FAZIT
Pfoten schleifen oder Überköten ist kein normales Alterszeichen, sondern ein wichtiges Signal für funktionelle, neurologische oder strukturelle Einschränkungen.
Durch eine Kombination aus osteopathischer Behandlung und gezielter Bewegungstherapie lässt sich das Gangbild vieler Hunde deutlich verbessern. Ziel ist nicht nur ein sichereres Laufen, sondern vor allem mehr Lebensqualität und langfristige Bewegungsfreude.
Wenn Sie Veränderungen im Gangbild Ihres Hundes bemerken, lohnt sich eine frühzeitige, ganzheitliche Abklärung.
Häufige Fragen von Hundehaltern (FAQ)
Ist Pfoten schleifen beim Hund normal im Alter?
Nein. Auch bei älteren Hunden ist Pfoten schleifen kein normaler Alterungsprozess, sondern meist ein Hinweis auf neurologische, muskuläre oder gelenkbedingte Einschränkungen.
Welche Hunde sind besonders betroffen?
Grundsätzlich kann jeder Hund betroffen sein. Häufiger zeigen jedoch große Rassen, sportlich geführte Hunde sowie Senioren Veränderungen im Gangbild.
Kann Bewegungstherapie wirklich helfen?
Ja. Gezielte Bewegungstherapie verbessert Muskelkraft, Koordination und Propriozeption und ist ein zentraler Bestandteil zur nachhaltigen Verbesserung des Gangbildes.
Wann ist osteopathische und bewegungstherapeutische Unterstützung sinnvoll?
- bei Pfoten schleifen oder Überköten
- bei unsicherem oder veränderten Gangbild
- nach Verletzungen oder Operationen
- bei bekannten Wirbelsäulen- oder Gelenkproblemen
Eine individuell abgestimmte Therapie kann dazu beitragen, Bewegungsabläufe zu normalisieren und die Lebensqualität des betroffenen Hundes deutlich zu verbessern.