Getreidefreie Ernährung beim Hund – gesund oder Risiko fürs Herz?

In den letzten Jahren ist getreidefreies Hundefutter („grain-free“) zu einem großen Trend geworden. Viele Hersteller werben mit einer „natürlicheren“, gesunden Ernährung, die angeblich näher an der Nahrung von Wölfen liegt und daher besser verträglich sein soll.

Doch in der Tiermedizin wird dieses Thema inzwischen deutlich kritischer diskutiert. Mehrere wissenschaftliche Studien zeigen Hinweise darauf, dass bestimmte getreidefreie Futtermittel mit Herzerkrankungen bei Hunden in Verbindung stehen könnten.

Was ist eigentlich mit „grainfree“ gemeint?

Bei getreidefreiem Hundefutter wird verzichtet auf klassische Kohlenhydratquellen wie:

  • Weizen
  • Mais
  • Reis
  • Gerste

Da Hunde aber trotzdem Energie und Struktur im Trockenfutter benötigen, werden diese Zutaten häufig ersetzt durch:

  • Erbsen
  • Linsen
  • Kichererbsen
  • verschiedene Bohnen
  • teilweise auch Kartoffeln

Besonders Erbsenprotein, Linsenmehl oder Kichererbsen tauchen häufig weit oben in der Zutatenliste auf.

Warum ist getreidefreies Futter so beliebt?

Der Trend entstand vor allem durch Marketing und einige verbreitete Annahmen:

  • Hunde seien „eigentlich Fleischfresser wie der Wolf“
  • Getreide verursache häufig Allergien
  • grain-free/getreidefrei sei grundsätzlich eine „natürliche“ Ernährungsform

Tatsächlich zeigen veterinärmedizinische Studien jedoch, dass echte Getreideallergien
beim Hund relativ selten sind. Häufiger reagieren Hunde auf bestimmte tierische Proteine.

Was sagen aktuellen Studien?

Hinweise auf ernährungsbedingte Herzprobleme

Eine weitere Studie untersuchte Hunde mit subklinischen Herzveränderungen – also
frühen Auffälligkeiten ohne Symptome. Nach dem Wechsel von einer grain-free Ernährung auf ein anderes Futter zeigte sich:
• geringere Herz-Stressmarker im Blut
• verbesserte Herzparameter im Ultraschall

Auch hier deutet vieles darauf hin, dass bestimmte Rezepturen Einfluss auf die Herzfunktion haben könnten.

In kontrollierten Fütterungsstudien wurden besonders linsen- oder erbsenreiche
Diäten untersucht. Dabei wurden bei einigen Hunden Veränderungen beobachtet wie:

  • erhöhte Marker für Herzbelastung
  • Veränderungen im Aminosäurestoffwechsel
  • geringere Verfügbarkeit bestimmter Nährstoffe

Die Forschenden vermuten daher, dass nicht das Weglassen von Getreide, sondern möglicherweise sehr hohe Mengen bestimmter Hülsenfrüchte eine Rolle spielen könnten.

Die wichtigste Botschaft der Wissenschaft ist derzeit:

  1. Ein eindeutiger kausaler Beweis fehlt noch.
  2. Aber es gibt wiederholt Hinweise auf mögliche Zusammenhänge.

Deshalb empfehlen viele Tierärzte aktuell, getreidefreies Futter nur bei medizinischer Notwendigkeit. Dabei sollte unbedingt auf ausgewogene Rezepturen etablierter Hersteller geachtet werden und bei Risikorassen oder bereits bestehenden Herzproblemen besonders vorsichtig zu sein.

Bei der Wahl eines Futtermittels, lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste. Geachtet werden sollte darauf, dass Hülsenfrüchte nicht mehrfach weit oben auf der Listen stehen und auch nicht mehrere Varianten derselben Zutat (Beispiel: Erbsen + Erbsenprotein + Erbsenstärke). Ausgewogene Proteinquellen sind besonders wichtig.

FAZIT

Der Trend zu getreidefreiem Hundefutter entstand vor allem durch Marketing – nicht unbedingt
durch wissenschaftliche Notwendigkeit.

Aktuelle Studien zeigen Hinweise darauf, dass bestimmte getreidefreie Rezepturen mit Herzveränderungen beim Hund in Verbindung stehen könnten, besonders wenn sie große Mengen an Hülsenfrüchten enthalten.

Die Forschung läuft noch. Bis mehr Klarheit besteht, gilt: Eine ausgewogene Ernährung ist
wichtiger als ein Trend.

Übersicht der zugrundeliegenden Studien:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36482834/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35420218/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35297103/